Produktion (My) Piece of Peace / Tage der Fragen

Gerade mal eine Woche ist es her, dass ich an dieser Stelle berichtet habe, dass ich mit der Überarbeitung von „(My) Piece of Peace“ begonnen habe.

So anders scheinen Bedeutung und Gewicht dieses Titels heute, dass ich es selbst nicht glauben kann. Meine Sprachlosigkeit und Traurigkeit zu den Ereignissen in der Ukraine und damit in Europa habe ich in den letzten Tagen in „(My) Piece of Peace“ einfließen lassen, zu hören für Euch ab heute hier:

Anke Johannsen · (My) Piece Of Peace

Die folgenden Textzeilen aus „Tage der Fragen“ erklangen heute in meinem inneren Ohr:

Ein paar erste Antworten hab ich für mich gefunden

Und so manch eine Angst dabei überwunden

Frieden beginnt immer in Herzensregionen

fernab von Landesgrenzen und Weltreligionen

Beten, Meditieren, nennen wirs doch einfach Innehalten

Auf jeden Fall können wir aus- und runterschalten

Was jeder von uns tun kann, findet er im Innen

Einzig eines muss er tun: sich besinnen

Wissen noch nicht wohin

aber fangen wir bloß nicht mit dem Ausruhen an

ehe wir uns nicht im Klaren sind

was jeder von uns tun kann

aus „Tage der Fragen“

Ich deute das als Hinweis, mich in den kommenden Tagen der Produktion auch dieses Stücks zu widmen. Da ich mich entschieden habe, parallel an verschiedenen Stücken gleichzeitig zu arbeiten, spricht alles dafür.

Den vollständigen Liedtext könnt Ihr schon jetzt hier nachlesen.


Noch ein bisschen in Lesestimmung?

Diesen Text hier habe ich eben noch für Euch herausgesucht, verfasst im Januar 2015 in meinem Blog zum Thema „Friedensbewegung“. Darin heißt es:

„Friedensbewegung“ ist das Wort, das mir vor ein paar Tagen beim Joggen in den Sinn kommt. Ich spreche oft davon, dass es vor allem der innere Ausgleich ist, warum ich so gerne und regelmäßig jogge. Man könnte auch sagen: der innere Frieden. Demnach ist das Joggen für mich meine Friedensbewegung.
Um Frieden kreisen meine Gedanken vermehrt seit meiner Libanon-Reise. Dort hat man von „Friedensbotschaften“ in meinen Songs gesprochen. Welch große Worte. Welch Auftrag. Kaum aus dem Libanon zurück, hatte ich das Gefühl, alles andere als Frieden im Herzen zu tragen. War es der Kulturschock? Der Weihnachtsstress? Oder war es die Erkenntnis, dass man auch in einem Land wie Deutschland nicht so sicher vor Krieg ist, wie man von Zeit zu Zeit glauben möchte? Unsere Verhältnisse hier in Deutschland mögen nicht so instabil sein wie die im Libanon und dem benachbarten Syrien. Aber was ist mit den sog. Nachbarschaftskriegen, den Dissonanzen im Büro, den Macht-Rangeleien in Besprechungen, den desinteressierten bis respektlosen Akzenten im täglichen Miteinander und diesem allgegenwärtigen Bedürfnis von uns Menschen, im Recht zu sein oder gerecht behandelt zu werden? Wenn wir nicht KRIEGen, was wir haben wollen oder was uns unserer Ansicht nach zusteht, und wir dann – zurecht, wie wir glauben – erzürnt sind und zurückschlagen – ist dann nicht Krieg? Anders gefragt: Wie sieht es in all diesen Situationen mit dem Frieden in unseren Herzen aus?
Andere Musiker wie Konstantin Wecker, der für mich vor allem in meiner Kindheit und Jugend ein Vorbild war, sind dafür bekannt, sich regelmäßig zu politischen Themen zu äußern und dafür einzustehen. Mir ist nicht wohl dabei, in der Öffentlichkeit politisch zu sein. Das liegt wohl vor allem daran, dass ich oft das Gefühl habe, nicht genug Ahnung von den Dingen zu haben. Manchmal frage ich mich, ob das klug oder feige ist.
Eines aber weiß ich: In diesen Zeiten von Anschlägen und Aufmärschen habe ich umso mehr das Bedürfnis, ernst zu machen mit dem Frieden in meinem Herzen. Es scheint mir das Einzige, das ich wirklich tun kann, um nicht an irgendeiner Fronten-Verhärtung oder Abwärtsspirale mitzuwirken. Es ist auch das Einzige, das mir heute Abend in den Sinn kommt, als ich in den Medien erfahre, dass PEGIDA am Montag auch hier in Duisburg präsent sein wird. Ein solcher Blog-Artikel, so unbeholfen er auch sein mag, ist hoffentlich besser als einfach zu schweigen oder gar gegen die eine oder andere Seite zu hetzen.
Und wenn ich dann so wie vor ein paar Tagen abends am Stadttheater vorbeijogge und vier britische Touristen dabei erlebe, wie sie gerade rätseln, was da wohl auf dem Stadttheater geschrieben steht, und wenn ich dann spontan das Zitat für sie übersetze und sie sich begeistert mit einem High five bei mir bedanken, und wenn ich sie dann herzlich in Duisburg willkommen heiße und wir danach lachend auseinandergehen – dann beschleicht mich das Gefühl, dass es am Ende genau so laufen wird, das mit dem Frieden.

„Mit allen seinen Tiefen seinen Höhen
Roll ich das Leben ab vor Deinem Blick.
Wenn Du das große Spiel der Welt gesehen.
So kehrst Du reicher* in Dich selbst zurück.“

*) …und am Ende vielleicht auch friedlicher? Ich schätze, Schiller hätte nichts dagegen gehabt…


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