In Produktion: Gewachsen sein

Bei meinem letzten Update vor zweieinhalb Wochen habe ich ein Klavierstück mit Euch geteilt. Dabei habe ich Euch nach Ideen für den Titel gefragt. Ein paar sehr schöne Anregungen kamen dazu von Wolfgang aus Münster (sehr herzlichen Dank dafür!). Daraus wurde „Flowing“.

Das mit dem Fließen ist momentan so eine Sache. In Angesicht des Krieges auf europäischem Boden fällt es mir schwer, künstlerisch produktiv zu sein. Es mangelt nicht an Ideen oder Disziplin. Vielmehr erlebe ich als Herausforderung, den richtigen Ton zu treffen (bildlich gesprochen, der Vollständigkeit halber) und etwas zu erschaffen, das in diese Zeit passt; das für Menschen wie Euch von Belang ist.

Wenn ich den inneren Druck in mir aufsteigen spüre, konzentriere ich mich, so zäh sich das auch darstellen mag, auf das vertrauende Weitermachen. Und davon handelt auch mein nächstes Lied :-).

Wie erwähnt arbeite ich derzeit an „Gewachsen sein“ – einem Song, der während des zweiten Lockdowns im vergangenen Jahr entstand. Kaum ein Jahr später schienen die Strophen so überholt. Aus meiner musikalischen Überarbeitung mit leichten textlichen Änderungen wurde schlussendlich, nach mehreren Zwischenergebnissen, ein umfassender Umbau der Strophen. Textlich, wie musikalisch ist kaum etwas übrig geblieben von der ersten Version des Liedes. So intensiv wie an diesen Strophen habe ich, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, noch nie an einem Liedtext gearbeitet. Ein Feilen an jeder Formulierung, immer in dem Bestreben, es möglichst klar und dabei doch auf meine Weise zu sagen. Fragen wie diese sind mir dabei begegnet:

Wann wurde aus aufrichtig kurzsichtig?
„Wann werden aus Gründen Abgründe? „

Und noch eine ganze Menge anderer Überlegungen habe ich angestellt. Der Krieg in der Ukraine ist ja nicht die einzige Bedrohung, mit der wir es zu tun bekommen haben… Ich stelle Euch die alte und neue Version des Textes hier zum Nachlesen bereit.

Die letzten Tage habe ich mit den Aufnahmen von „Gewachsen sein“ zugebracht. Die Gesangsaufnahmen von vorgestern musste ich löschen, nachdem ich mich zu einer Anpassung der Tempi (das Lied enthält nun derer drei) entschlossen habe. Die Gesangsaufnahmen von gestern sind zwar noch nicht da, wo ich sie haben möchte, und auch der Rest der Produktion befindet sich noch im kreativen Mittendrin. Euch möchte ich nun aber einen Eindruck gewähren. Wer weiß, in welcher Verfassung ich Euch antreffe und welche Bedeutung „Gewachsen sein“ schon heute für Euch haben kann.

Anke Johannsen · Gewachsen sein

Neben den weiteren musikalischen Arbeiten steht auf meiner Aufgabenliste für die kommenden Wochen:

  • eine Überarbeitung der Startseite von ankebackstage.de, die Interessierten nachvollziehbarer/ansprechender darstellt, was sie hier erwartet
    (Hintergrund ist, dass die Zahl der Abonennt:innen stagniert und ich gerne mehr Menschen erreichen möchte)
  • ein spruchreifes Konzept für Euch, das Euch Einblicke gibt, wohin diese kreative Reise hier führen wird – also auf welches Ziel ich hinarbeite
  • ein neues Video mit weiteren Einblicken, weil Euch das offenbar Freude macht

Noch ein bisschen in Lesestimmung?

Weil gerade von Freude die Rede war: Ich habe vor ein paar Tagen durch einen Newsletter das Projekt „Preschool Poets“ kennengelernt, das mir für eine halbe Stunde (so lange dauert der Dokumentarfilm) und weit darüber hinaus das Herz geweitet hat.

Es handelt sich dabei um ein Poesie-Projekt mit Kindern im Vorschulalter, die selbst noch nicht schreiben können und zugleich eine bestaunenswerte Sprache an den Tag legen. Website und Dokumentarfilm inkl. der animierten Gedichte sind zwar allesamt auf Englisch, aber ein Klick lohnt sich so oder so. Dazu hier entlang.

Das wiederum hat mich an ein Erlebnis erinnert, das ich im Januar 2014 in einen Blog-Artikel beschrieben habe im Zusammenhang mit meinem damaligen KiTa-Projekt:

Zum Thema „Kinder sind großartig“ hier eine Ankedote (Anekdote) von heute: Seit zwei Monaten gestalte ich in einer KiTa in einer benachbarten Stadt ein musikalisches Projekt finanziert durch den dortigen Förderverein. Woche für Woche ein Abenteuer. Oder sagen wir: umwerfend. Lasst mich erklären:
Für meine Vormittage dort habe ich mir bei meinen Freunden von Custom Music Shop ein Cajón (Kistentrommel) besorgt. Es ist etwas niedriger und dadurch kinderfreundlich. Darauf begleite ich mich beispielsweise, wenn ich mit den Kindern singe. Im Rahmen dessen bekommt „die Kinder zusammentrommeln“ auch ganz neue Bedeutung. Aber dies nur am Rande.
Heute habe ich am Ende unserer gemeinsamen Zeit nach ihren Rückmeldungen gefragt.

Wünsche? Verbesserungsvorschläge?

Kritikfähig, wie ich zu sein bemüht bin, wollte ich von den Kindern wissen, ob und wie ihnen unser gemeinsames Musizieren gefällt. Kinder sind ja sehr ehrlich. Von „Deine Schuhe sind doof.“ über „Warum trägst du so oft eine Mütze?“ bis hin zu „Musik ist langweilig. Fußballspielen wäre cooler.“ – ich war auf so einiges gefasst.
Und dann passierte Folgendes: Eines der Mädchen stand auf meine Frage hin auf, kam auf mich, die gerade auf dem Cajón saß, zu und umarmte mich. Daraufhin musste ich lachen. Weitere Kinder schlossen sich dem Mädchen an, was mich noch lauter (und verlegener) lachen ließ. Bevor ich mich versah, hatten sich alle Kinder, die gerade im Raum waren (an die 15 werden es gewesen sein), um mich herum versammelt und umarmten mich von allen Seiten. Und das Ganze wohlgemerkt stillschweigend und strahlend. Vor lauter Drückerei (und wohl auch Lachen) fiel ich schließlich von meinem Cajón. Die Situation war buchstäblich umwerfend.
Im Laufe der Jahre habe ich an vielen sog. „Feedbackrunden“ (zumeist im Kreise Erwachsener) teilgenommen. Aber das heute hat alles übertroffen. Alles. Kinder sind eben großartig.

Mein damaliges Wirken bei den Wurzelzwergen mündete in einer ganzen Reihe von Kinderliedern, die ich damals gemeinsam mit den Kindern komponierte und hier für Euch einbette. Mein persönlicher Favorit bis heute: „Unser Fest auf dem Bauernhof“.

Anke Johannsen · Anke und die Wurzelzwerge (Demos)