Eine kleine Zeitreise und was Frisches auf die Ohren mit „Who Says“

Ich beschäftige mich in diesen Tagen ja mit der Song-Auswahl für das neue Album, dessen Entstehungsreise Ihr hier seit einigen Monaten mitverfolgt.

Was manche von Euch vielleicht nicht wissen: In meinen ersten Jahren als Singer-Songwriterin habe ich ausschließlich Englische Lieder komponiert. Die Gründe, warum ich in den vergangenen Jahren fast ausschließlich deutsche Texte verfasst habe, sind vielfältig.

Tatsächlich bin ich seit jeher hin- und hergerissen: Einerseits ist Deutsch meine Muttersprache, mein sprachliches Zuhause. Andererseits mag ich den Klang der englischen Sprache in Liedern mehr als den der deutschen.

In den letzten Tagen hat mich eine Sehnsucht gepackt, für das neue Album auch auf englische Titel zurückzugreifen. In meiner Schublade aller möglichen Songs hat mich nun Who Says angezwinkert – ein Song, den ich im Sommer 2013 komponiert und im Rahmen meiner damaligen Möglichkeiten schon einmal produziert habe.

Über die Jahre habe ich immer wieder daran gedacht, dass ich ihn irgendwann noch einmal produzieren und veröffentlichen möchte. Dieses Irgendwann ist jetzt.

Ein bisschen schmunzeln muss ich schon darüber, wie ich den Song damals aufgenommen und – kurioserweise auf den Tag genau heute vor 9 Jahren – als Musikvideo veröffentlicht habe. Scheint wie ein vergangenes Leben.

Spannend ist auch, was ich damals zur Entstehung des Songs in meinen Blog geschrieben habe (s. u.).

Vorher bekommt Ihr ein paar ganz frische Audio-Einblicke von der neuen Produktion. 

Darin habe ich u. a. 

  • das Schlagzeug noch einmal komplett neu entwickelt, 
  • die Klavierspur umgekrempelt und neu eingespielt, 
  • die Bass-Spur verfeinert und 
  • mir ein paar schöne Sachen (wie z. B. eine Cello-Spur) einfallen lassen, damit der Refrain noch mehr aufgeht.

Wer sich jetzt wundert, wie das alles geht, dem kann ich dieses Backstage-Video von mir empfehlen, in dem ich Euch zeige, wie ich Musik programmiere. Vielleicht auch interessant: In meiner Podcast-Folge #5 (Behind the Songs) geht es auch um die Entstehung von Songs von der ersten Komposition bis zum finalen Mastering.

Hier kommt jetzt das ganz frische, provisorisch gemischte Playback – also ohne Gesang. Es geht bis zum Ende des ersten Refrains von Who Says:

Ich freue mich schon sehr darauf, in den nächsten Tagen den Rest des Songs zu produzieren, um ihn zur Kür dann ganz neu einzusingen ♥︎.

Hier nun noch der damalige Blog-Beitrag zur Entstehung von Who Says:

Wenn die Dinge einem zufliegen – oder: Who Says

Kennt ihr diesen Moment, in dem euch bewusst wird, dass es an der Zeit ist, euren Blickwinkel zu überdenken? In dem euch klar wird, dass es eure Sichtweise ist, die euch davon abhält, zufrieden oder gar glücklich zu sein? In dem euch dämmert, dass es euch eigentlich gut geht – ihr konntet oder wolltet es bislang nur einfach nicht so sehen? Die Tür der Erkenntnis öffnet sich, und es blitzt plötzlich dort ein Licht auf, wo ihr bis gerade eben noch im Dunkeln getappt seid. Puh. Es ist alles in Ordnung. In bester Ordnung sogar. Jetzt könnt ihr es sehen.

Denn wer sagt, dass die Dinge nicht in Ordnung sind, nur weil wir uns das alles ganz anders vorgestellt haben? Und wer sagt, dass es uns nicht gut geht, nur weil es sich gerade eben nicht danach anfühlt?

Genau davon handelt „Who Says“ – ein Lied, das sich vor ein paar Wochen in den Morgenstunden Bahn brach, nachdem ich mich in den vorangegangenen Monaten damit befasst hatte, meine Sichtweise auf die Dinge zu hinterfragen. Nicht zuletzt Auslandsreisen wie die in den Libanon im vergangenen Dezember hatten mir vor Augen geführt, dass all jenes, was uns tagtäglich umgibt und entsprechend prägt, nicht zwangsläufig Spiegel unserer wahren Identität ist und uns in dem fördert, was wir eigentlich sind.

Was zählt, ist einzig und allein, wie wir unser Leben gestalten. Aber tun wir das auch? Tun wir das wirklich?

„Finde dein Maß“, legte mir eine Bekannte vor geraumer Zeit aus heiterem Himmel in einer Email ans Herz. Wenn der Zusammenhang auch eigentlich ein anderer war, so klang diese Aufforderung doch noch lange in mir nach. Ja, was ist eigentlich mein Maß? 

Was sind meine Grenzen? Sind sie Leidplanken oder Leitplanken?

Die Einflüsse, die uns prägen, sind vielfältig. Oft genug nehmen wir dabei als gegeben hin, was nicht zwangsläufig gegeben ist. Das wurde mir bei meiner ersten Reise nach Afrika vor einigen Jahren bewusst.

Ach so, man muss gar nicht viel haben, um zufrieden oder gar glücklich zu sein?

Ach so, man muss gar nicht ungeduldig und knatschig sein, wenn die Sachen anders laufen als geplant?

Ach so, man muss gar nicht immer alles so eng sehen?

In Afrika mit meiner deutschen Mentalität konfrontiert, wurde mir bald klar, dass es an mir lag, „deutsch“ zu sein oder eben einfach so, wie ich es wollte bzw. für richtig hielt.

Gewohnheiten, Denkweisen, Prinzipien,…was auch immer unser Innenleben und die Art und Weise, wie wir im Außen agieren, ausmacht – es ist wirklich unsere Entscheidung, wie wir auf die Dinge blicken. Wie wir dem Leben begegnen. Wie wir die Dinge bewerten oder auch einfach annehmen. Wie wir unser Leben gestalten.

Ich zum Beispiel habe über viele Jahre ziemlich stark in Schwarz und Weiß gedacht und gehandelt. Entweder,…oder…. Faszinierend daran ist aus heutiger Sicht, dass mir das nicht bewusst war. Wie auch. Es war ja so normal für mich. Ich habe nie darüber nachgedacht, ob es zwischen Schwarz und Weiß noch etwas anderes gibt. Zwischentöne. Grautöne. Farben!

Das Schöne ist, dass das Leben uns nicht vergisst und zwischendurch anklopft, wenn wir uns – oft ohne es zu merken – vor Dingen verschließen. Gelegenheiten tun sich auf.

Entweder wir lassen die Tür oder die Gelegenheit zu, will heißen: Wir nutzen das vorliegende unverbindliche Angebot des Lebens oder auch nicht.

Ich für meinen Teil sage gerne ja, wenn ich das Gefühl habe, dass sich mir eine Möglichkeit bietet, über mich hinauszuwachsen und mehr über das Leben und mich selbst zu lernen. Nennt es Mut, Neugier oder einfach die Einsicht, dass es für mich keine wirkliche Alternative dazu gibt, weil Lernen und Bewusstsein bzw. -werden für mich einfach zum Leben gehören.

Und wie heißt der Lehrmeister aller Lehrmeister, wenn es um das echte Leben geht? Die Liebe. Facettenreich ist sie. Und so gar nicht logisch oder greifbar.

Als ich im vergangenen Jahr an drei Wochenenden in Folge zu Hochzeiten eingeladen war, bei denen ich im Rahmen der jeweiligen Trauung für das frisch vermählte Paar musizierte, wurde mir klar, wie individuell das Thema Liebe tatsächlich ist. So unterschiedlich diese Hochzeiten ausfielen, so unterschiedlich waren auch die Geschichten, die das jeweilige Brautpaar zusammengeführt hatten. Und kein Brautpaar glich dem anderen.

Ehe und Partnerschaft sind zwei Ausdrucksformen von Liebe. Letztlich ist aber wohl all das, was uns Menschen verbindet, eine Facette von Liebe.

So vielfältig und individuell die Liebe daherkommt, so universell erschien mir neulich beim Joggen die Erkenntnis, dass das einzige, was uns voneinander trennt, die eigene begrenzte Sichtweise ist. Neid, Eifersucht, Enttäuschung, Verletzung, Angst,…was auch immer zwischen uns und anderen Menschen steht – all diese trennenden Elemente sind im Grunde genommen nur Ausdruck einer Begrenzung, die wir uns selbst auferlegen und für die wir uns entscheiden – oder auch nicht.

Denn wer sagt, dass die Liebe nicht einfach die Liebe sein und fliegen darf? Wer sagt, dass das Leben nicht einfach das Leben sein darf und eben nicht immer in eine bestimmte Schublade passen oder kontrollierbar sein muss?

Ungeachtet äußerer Umstände, die sich uns einfach oder auch kompliziert darstellen, ist die spannende Frage doch die: Sind wir uns der Freiheit bewusst, die Dinge so zu betrachten, wie es uns tatsächlich entspricht?

„Who Says“ handelt von der Entscheidung für die eigene Sichtweise. Für das Verbindende in und zwischen uns.

Es geht nicht um das, was wir erreichen oder haben wollen. Es geht um das, was ist, was auch immer es ist. Wenn wir die Liebe die Liebe und das Leben das Leben sein lassen können, dann hat das nicht nur etwas Verbindendes, sondern sogar etwas Beflügelndes. Dann machen wir von der Freiheit newsletter2go.comGebrauch, die unser aller Geburtsrecht ist, die wir im Herzen tragen und derer wir uns jederzeit bewusst sein dürfen.